Wie bespreche ich erfolgreich einen Anrufbeantworter oder eine Mobilbox

Wir alle lieben und verabscheuen ihn gleichzeitig. Man muss z. B. unbedingt mit einer bestimmten bedeutenden Mensch telefonisch in Kontakt treten. Wie soll es aber auch sein, anstattdessen mit der gewünschten Person direkt reden zu können, meldet sich alleinig eine Apparatur welche einem ermahnt, dass man sein Thema kurz, karg, prägnant und tunlichst noch spannend innerhalb einer Minute auf eine unsichtbare digitale Magnetplatte reden soll. Und dann alles noch auf Kommando nach einem Signalton, welches sich anhört wie eine Trillerpfeife beim Heer….

Im Unterschied dazu sind wir naturgemäß froh, wenn man gerade fernmündlich „offline“ ist oder wenn man sich unterwegs mal wieder in den 1% der „garantierten 99% Netzabdeckung“ befindet, wenn uns wichtige Neuigkeiten erreichen können. Wir freuen uns selbstverständlich ebenso über einen netten Gruss von uns nahestehenden Menschen.

Wenn da allein dieses leidige Problematik mit dieser verflixten eigenen Mailboxansage nicht wäre. Zum xxx-sten Male versucht man voller Elan einen freundlichen und sympathisch klingenden Text auf die Mailbox zu reden, demgegenüber irgendwie passt irgend etwas immer nicht. Mal hört es sich an, als ob man der geborene Grabredner wäre oder selbst die meist vernuschelten Ansagen in den Zügen der DB klingen gegen die eigene Ansage wie die Verkündigung eines Hauptgewinnes.

Mal klingt die Sprachmelodie wie die einsame (und kaputte) Panflöte eines betrunkenen Hirten, der vor lauter Einsamkeit eines seiner schlafenden Schafe anflötet oder die Bundeswehrleitung hätte ihre Idealbesetzung eines blökenden Unteroffiziers gefunden.

Hat man es früher oder später fast geschafft, den richtigen Ton zu treffen, dann fordern einem garantiert in diesem Moment die Glocken der Kirche aus der Nachbarschaft lautstark dazu auf, doch ein wenig für sein eigenes Seelenheil zu tun, und dass obwohl man doch brav seine Kirchenabgaben gezahlt hat und man sich in diesem Moment vielleicht fragt, warum man dies eigentlich noch macht.

Sobald man es irgendwann einigermaßen geschafft hat und sich dann selbstzufrieden seinen eigenen Text anhören will, kommt der Auswirkung dazu, dass die eigene Timbre einem richtig fremd vorkommt. An dieser Stelle kann ich Sie aber schon mal besänftigen. Dieser Fremdheitsempfinden ist völlig gewöhnlich, da man die eigene Sound über die sog. Knochenleitung darüber hinaus zu den Luftschwingungen hört. Zusätzlich wird die eigene Timbre durch die elektronischen Medien ein wenig verändert, es werden z. B. Höhen und Tiefen abgeschnitten oder Frequenzen abgewandelt.

Bleibt im Unterschied dazu noch die Problematik einen guten und erfrischenden Ansagetext auf die Mobilbox zu bringen. Ihre Stimme ist beim Telefonapparat die erste Anlaufstelle und damit Ihre Eintrittskarte insbesondere bei fremden Menschen. Es sollte also insbesondere Wert darauf gelegt werden, dass eine attraktive und umgängliche Abwesenheitsnachricht auf Ihrem Band zu hören ist. Ihre Stimme und Ihr Stimmklang sollen die Einladung sein, mit Ihnen in Kontakt zu treten und nicht einfach wieder aufzulegen.

Mit den nachfolgenden Ratschlägen werden auch Sie einen gelungenen Ansagetext aufs Band bringen.

1. Vermeiden Sie die standardisierten computergestützten Ansagen der Telefonanbieter

Möchten Sie von der mechanischen Gießkannen-Stimme eines Metallkastens begrüßt werden? Ein persönlich gesprochener Text ist um ein Vielfaches sympathischer und persönlicher.

2. Fassen Sie sich kurz!

Ein ellenlanger Text mit allen Details, warum Sie gerade nicht erreichbar sind und welche vielfältigen Zusatzmöglichkeiten es gibt, um Sie hypothetisch doch irgendwie erreichen zu können, nerven den Anrufer alleinig. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er das Telefonat vorzeitig beenden wird. Eine kurze und klare Ansage ist durch und durch ausreichend. Natürlich: „AB Müller, reden Sie!“ ist wiederum zu kurz und vertreibt den Anrufer genauso effektiv wie ein nervtötender Schwafeltext. Geben Sie kurze und für den Anrufer brauchbare Informationen: Bei einem beruflichen Anschluss z. B. Ihren Namen, die Firma und gegebenenfalls Ihre Abteilung.

Bei einem privaten Anschluss ist selbstverständlich ein wenig Spielerei wie musikalische Untermalung oder ein witziger Spruch legitim, aber auch hier wird schnell des Guten zuviel. Unlängst rief ich einen entfernten Bekannten in Berlin an und dieser hatte auf seinem Anrufbeantworter als Intro den Höhepunkt einer derzeitigen Fußballspiel-Moderation und dann seine Aufforderung, man möge ebenfalls begeistert sein Fragestellung vorbringen. Den einzigen Wirkung, den er mit seiner Ansage erreicht hatte: Ich war ziemlich erschrocken und habe eher entgeistert als begeistert geradewegs aufgelegt.

3. Vermeiden Sie unnötige Floskeln und verdrehte Formulierungen

Aussagen wie „Ich werde ehebaldigst um einen Rückruf bemüht sein“ oder „Sprechen Sie bitte nach der elektronischen Aufforderung durch den Piepston“ (alles schon live erlebt!) sind eher ein wenig für das Absurditätenmuseum des deutschen Wortschatzes als ein guter Ansagetext einer modernen Mailbox des 21. Jahrhunderts. Auch überflüssige Füllsätze wie „Leider bin ich zur Zeit nicht zuhause“ waren vielleicht mal vor 30 Jahren modern. Dass Sie persönlich gerade nicht ans Telefon gehen können, merkt der Anrufer von selbst.

4. Achten Sie auf unnötige Störgeräusche im Background.

Hintergrundgeräusche wie Hupen auf der Strasse oder das Stereoanlage des Nachbarn wirken beträchtlich irritierend.

5. Lächeln Sie!

Wer beim Bereden des AB´s lächelt, bringt automatisch eine Freundlichkeit und Lebhaftigkeit in seine Stimme. Durch diesen kleinen Kunstgriff wird Ihre Stimme zusätzlich wohlklingender und eine Eintönigkeit kann dadurch vermieden werden.

6. Haben Sie zusätzlich zu Ihrem Lächeln eine „innere positive Einstellung“.

Sobald Sie sich wohl fühlen, überträgt sich diese bejahende Einstellung in Ihre Timbre und Ihren Stimmklang und damit auf den Anrufer. Denken Sie z. B. an schöne Bilder wie Urlaubsstimmung oder an den Genuss Ihrer Lieblingsspeise. Sobald Sie gerade wirklich gestresst sein sollten oder sich elend fühlen sollten, verschieben Sie lieber das Bereden Ihrer Mailbox auf ein andermal. Wer schon einmal mit einem unfreundlichen „Ja, was ist“ begrüßt wurde, weiß wovon ich schreibe.

7. Machen Sie die sog. „Korkenübung“

Lesen Sie den Ansagetext vorab mit einem Korken im Mund laut vor. Ihre Sprechwerkzeuge werden dadurch geschmeidiger und Ihre Sprechweise klarer.

8. Sprechen Sie etwas langsamer als gewöhnlich

Als Folge bekommen Sie ebenso eine verfeinerte Artikulation. Eine übermäßige Laaaangsaaaamkeit ist natürlich hingegen zuviel. Reden Sie einfach etwas ruhiger als weit verbreitet, aber im Gegensatz dazu flüssig.

9. Sorgen Sie sich um eine gute Körperhaltung.

Schütteln Sie sich vor dem Sagen ein wenig aus und nehmen Sie dann eine senkrechte und aufrechte Haltung im Sitzen oder Stehen ein. Wer sich in seinen Schemel hineinlümmelt, hat es vielleicht bequemer, aber die Klangfarbe klingt dadurch „gequetschter“ und damit unangenehmer.

Mit Hilfe dieser obigen Tipps werden auch Sie in der Lage sein, einen „geglückten“ Anrufbeantwortertext professionell oder persönlich zu „realisieren“.

Prüfen Sie auch in regelmäßigen Abständen die Aktualität Ihres Textes – der Monolog der Absenz zur Weihnachtszeit im Hochsommer generiert beim Anrufer wohl keine feierlichen Empfindungen.

Ich wünsche Ihnen nun jede Menge Vergnügen und gutes Gelingen bei einer neuen Besprechung Ihrer Mailbox!